Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache, komme ich manchmal in Konflikte. Erstens, weil Werber so einen schlechten Ruf haben. Zweitens, weil der Trubel um coole Kreative, trendy Marketing-People und Consumer Trend-Propheten an mir vorbeigeht. All diese Menschen, die angeblich immer am Puls der Zeit sind, irritieren mich eher. Wissen die wirklich schon am 20. Januar, was der große Social Media-Aufruhr des Jahres sein wird?

Vorsicht, heiße Luft!

Selbst Marketer, Texter, Werber, frage mich: Ist das permanente Hypen vielleicht Ausdruck der Verzweiflung an der (Un)Erreichbarkeit von Menschen im digitalen Zeitalter? Zeigt die laute Aufregung vor allem eigene Angst vor dem Untergehen in der Kommunikations-Soße, die uns alle permanent umgibt? Oder soll sie vielmehr die Angst potenzieller Kundinnen und Kunden schüren vor dem Abgehängtwerden vom Kommunikationsfluss? Vielleicht erschiene es schlicht zu banal, dass manche alte Kommunikationsregel immer noch ihren Job tut, aber so enorm schwer umzusetzen ist. Doch ist es wirklich unauffällig, wenn wir sie einfach neu verklausuliert in die Welt posaunen? Sollte es tatsächlich niemand bemerken, dass wir uns im Kern immer noch und immer wieder neu am selben Thema abarbeiten? Lassen Sie uns genauer hinschauen.

Einfach #Positionieren

Was ist denn nun der Trend 2016 im Digital Marketing? Und ich erlaube mir, bereits ins Deutsche zu übersetzen, was ich da lese: Ich durchstöbere ein Digital Pioneers Magazine und erfahre, dass Reichweite nicht alles sei, man müsse sich klar machen, wen man überhaupt erreichen will. Zielgruppendefinition. Ach so. Ich bekomme von Online-Marketern erklärt, gesichtslose Firmen-Accounts seien out. Es brauche Personalisierung. Sind SIE jetzt ganz baff? PR-Spezialisten erinnern daran, dass wir Geschichten erzählen müssen – möglichst konsistent und Synergieeffekte nutzend. Kein Kommentar. Und last not least solle man noch daran denken, sich mal in Kundinnen und Kunden hineinzuversetzen: Welche Erfahrungen machen sie an den verschiedenen Kontaktpunkten?

Das alles ist im Original noch viel englischer und hipper formuliert, so dass man sich dumm und unbedeutend vorkommen muss. Hype, hype, hurra! Aber die Leere, die nach dem Lesen bleibt, ist verdächtig. Und bald schon merkt man: Etwas anderes als „Entscheide dich, wer du für wen bist, und dann sei es!“ wird da auch nicht empfohlen. Es ist also etwas Altbekanntes, das zu tun ist in der Marketingkommunikation. Einfach und sonderlich cool ist es indes nicht: die Positionierung.

Einfach #Relevanz

Sich positionieren heißt auch: den Mut haben, anders zu sein als andere. Doch haben, wo so viel aufgeblasen und gehypt wird, Marketing-Experten und Werber den ruhigen Mut, ihre Kunden bei der Findung einer Single-Minded-Botschaft zu unterstützen? Kann, wer in Werbetexter-Deutsch verkleidete heiße Luft produziert, in der Markenkommunikation glaubwürdig zu Relevanz und Authentizität raten? Wäre bei der Suche nach Marketing-Konzeptern und Werbetextern  nicht doch der Blick auf den Zustand vor deren eigener Haustüre ratsam?

Gute Marketer und gute Werbetexter täuschen meiner Meinung nach nicht. Wenn der Kunde ein Angebot nicht relevant findet, sollte man ihn nicht überreden. Mein Fazit: Man kann von dieser Arbeit halten, was man will. Nur heiße Luft sollte sie gerade nicht sein.