Über Angela Merkels Credo „Wir schaffen das“ wird im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingskrise viel diskutiert. Dieser kurze, affirmative Satz hat der Bundeskanzlerin viel Kritik beschert. Dabei ist er aus Kommunikationsperspektive ebenso prägnant wie zielführend. Provokativ fragte Merkel im Interview mit Anne Will, was denn sei, wenn wir sagten „Wir schaffen das nicht“. Ja, was dann?

Sprache ist nicht bloß Ausdruck von gesellschaftlichen, emotionalen oder sonstigen Ist-Zuständen. Sie ist an deren Konstruktion ganz aktiv beteiligt. Nicht nur unser Denken bestimmt unsere Sprache. Unsere Sprache bestimmt auch unser Denken. Wenn wir angesichts einer persönlichen oder gesellschaftlichen Herausforderung also erfolgreich sein möchten, hilft es wenig, uns und anderen vorher einzureden, dass wir sowieso nur scheitern können. Denn: Wenn man eh scheitert, warum sollte man sich dann überhaupt anstrengen?

Auf politischer Ebene ist es nicht anders. Man stelle sich vor, eine Bundeskanzlerin würde nicht versuchen,  Tatendrang  zu wecken – das wäre katastrophal. Schließlich geht es darum, im sprachlichen Diskurs überhaupt die Bedingungen dafür zu schaffen, dass etwas gelingen kann und dass möglichst viele ihr Bestes geben und an einem Strang ziehen.