Meet Neos

Inzwischen hat jeder verstanden, wie man angeblich einen Blog verfassen sollte. Die meisten Blogs fangen nämlich an mit „Diese 10 Dinge müssen Sie tun, um King zu werden“. Oder: „In drei Schritten zum Blabla-Erfolg“. Beliebt auch in der Version: „5 Tipps, wie Sie Ihre Konkurrenz hinter sich lassen“. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann das schon seit einiger Zeit nicht mehr lesen. In meinem Blog werden Sie solche Formeln nicht lesen. Dennoch oder gerade deswegen hat er es kürzlich ohne mein Zutun und Wissen auf eine Konferenz geschafft (s. Bild). Der Redner ist mir unbekannt, aber er hatte offenbar Freude an dem Text. Was ist denn jetzt ein guter Blog-Artikel?

Klon-Blogs zur Nachahmung empfohlen?

Es ist immer derselbe Köder. Das Erfolgsversprechen klingt manchmal geradezu surreal. „Tun Sie diese 3 Dinge, und Sie werden wirklich, ganz sicher – ehrlich – in wenigen Wochen Ihre erste Million gemacht haben. Bestimmt!“ Ja wenn Sie ganz fest dran glauben … Allermeistens ist das Leckerli hinter dem Heilsversprechen nämlich mehr als dürftig. Von Substanz mal ganz zu schweigen. Wie war das noch mit der Markenkommunikation? Was macht eine gute Marke aus? War nicht mal von Mehrwert die Rede?

Komplexitätsreduktion ist ein wichtiges Tool. Im Marketing jedoch wird es angeblich wegen mächtiger Google-Algorithmen und bunter Bilder aus dem Inneren des menschlichen Gehirns exzessiv und effektiv benutzt, um potenzielle Kundinnen und Kunden zu langweilen und für dumm zu verkaufen. Es soll sogar Werbeagenturen geben, die solche Klon-Blogs nicht nur selbst veröffentlichen, sondern sie ihren Kundinnen und Kunden auch noch gegen saftige Honorare zur Nachahmung empfehlen.

Inzwischen gleicht ein Blog dem anderen. Sie versprechen nicht weniger als ultimative Lösungen in Form von Listen und langweiligen „Subjekt – Prädikat – Objekt“-Sätzen, weil das SEO-Plugin ansonsten den zu komplexen Satzbau moniert. Wie ein guter Blog aussieht, ist ein Glaubenssatz geworden. Und es gibt so viele Prediger, dass es immer schwieriger wird, Blogs zu lesen, die einem nicht die Welt erklären und mit einem „Kaufen“-Button dem am Ende bedauerlicherweise immer noch dummen Leser die Seligkeit versprechen.

Die immer komplexer werdende Welt wird oft beklagt. Und umso lauter werden DIE Strategien beschworen, die Unternehmen, Marketer und Kunden Sicherheit in einer so unsicheren und überfluteten Kommunikationsumgebung geben sollen. Und dazu gehört eben auch, wie MAN DEN BLOG schreibt, der erfolgreich macht.

Natürlich gibt es auch gute Beispiele. Und selbstverständlich wünschen wir uns prinzipiell alle, nach der Befolgung einfacher Faustregeln all unsere Probleme los zu sein. Allein: Nur wenige Blogs lösen in der Realität ihre Qualitätsversprechen ein. Und dann wird es peinlich.

Vom Wagnis, einen hohen Anspruch zu formulieren

Wer einen Blog schreibt, tut dies immer noch für Menschen. Und die Frage ist, was daraus folgt, wenn man die nicht für ganz so blöd hält. Kundinnen und Kunden möchten wissen, wofür man mit einem Produkt oder einer Dienstleistung steht. Gezieltes Kopieren ist zwar eine mögliche Marketingstrategie für sogenannte Verfolger oder Mitläufer. Mir scheint jedoch, dass nicht alle, die da gerade so eifrig ihre Schreibanleitungen abarbeiten, diese Strategie bewusst gewählt haben. Zu viel Orientierung von zu Vielen an den lieben Mitbewerbern erzeugt – zu viel Abklatsch.

Es ist natürlich immer gefährlich, ein vermeintlich sicheres Kochrezept in Frage zu stellen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man selbst einmal ein Gericht ganz ordentlich versalzt. Auf der anderen Seite besteht die Chance, jemandem etwas zu servieren, das ganz außerordentlichen Genuss bereitet, das überrascht und begeistert. Und wir wissen ja: Entscheidend ist es nicht, zu zufriedenen Kunden zu gelangen, sondern zu begeisterten.

Die Crux mit der Authentizität

Dennoch möchten Sie nun aber wissen, wie Sie am besten Ihren Blog verfassen? Dann wären wir beim Thema: bei Ihnen, Ihren Fähigkeiten, Ihrer Authentizität und Ihrem ganz persönlichen Unternehmensstil. Wir sind bei dem, was Sie zu sagen haben. Und beim Thema Markenkommunikation. Der wichtigste Grund, warum Sie Ihren Kunden nicht eine durchschnittliche Pizza servieren sollten, ist der: Das machen alle anderen auch schon. Davor, dass Ihre Marke am Ende nicht von allen gemocht wird, dass ihr Blog ein bisschen weniger geklickt wird, kommt es gar nicht an. Sie müssen es nicht allen recht machen. Eine wirklich starke Marke ist nicht jedermanns Liebling!

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